Eine Silvesternacht in Ostende. Ein alter Schauspieler betritt die Lobby eines Hotels. Seit langem von allen vergessen, wartet er auf eine letzte Rolle. Mit seinem pechschwarzen Humor thematisiert Thomas Bernhard die Zeit, die Erinnerung und die Geister der Vergangenheit. Indem er der Musik und dem Operngesang einen besonderen Stellenwert einräumt, verleiht Matthieu Cruciani diesem monumentalen Monolog eine ganz neue Dimension.
Draußen tobt ein Schneesturm. Drinnen beobachten ein Statist und ein untätiger Portier eine Dame mittleren Alters, die träge auf einem Sofa liegt und ein Glas Champagner nach dem anderen trinkt. Regelmäßig strömen feierwütige Nachtschwärmer und Nachtschwärmerinnen aus dem Aufzug, um das neue Jahr zu feiern. In dieser zeitlosen Kulisse taucht Minetti auf. Der alte Mann gibt vor, ein berühmter Schauspieler zu sein, der seit dreißig Jahren nicht mehr auf der Bühne gestanden hat. Er behauptet auch, in diesem Hotel eine Verabredung mit einem Theaterdirektor zu haben, der ihm eine letzte Rolle anbieten will: die des Königs Lear. Also wartet er. Verkörpert vom charismatischen Josse De Pauw, einem großen belgischen Film- und Theaterschauspieler, beginnt Minetti, seine endlose Geschichte in einer Flut von Worten zu erzählen. Wie der Schrei der Verzweiflung und Empörung eines alternden und einsamen Mannes, der weiterhin an die Kunst und ihre hohen Ansprüche glaubt, während sich die ganze Welt von ihr abwendet. Um mit ihm in Dialog zu treten, greift Matthieu Cruciani auf die Musik von Schubert und Chopin, Skrjabin und Ravel zurück und verbindet Klavier mit Operngesang.
Comédie de Colmar
6 route d’Ingersheim, 68000 Colmar